Bridging

Aus rechtlichen Gründen ist eine konkrete Empfehlung zum »Bridging« schwierig: kontrollierte Studien liegen nicht vor. Leitlinien bleiben daher vage. Aus diesem Grund haben wir auf einen eigenen Text verzichtet sondern verweisen auf einige Übersichten, die sich um das Thema verdient gemacht haben

Folgene Leitsätze können hilfreich sein:

  • Jede Unterbrechung einer Antikoagulation bedeutet ein erhöhtes Risiko (und zwar sowohl ein Thrombembolierisiko als auch ein Blutungsrisiko): Daher sollte vor dem Bridging geprüft werden, ob eine Unterbrechung überhaupt sinnvoll ist. So werden Zahneingriffe häufig ohne Unterbrechung durchzuführen sein. Das gleiche gilt für die diagnostische Coloskopie u.ä.
  • Aufgrund der fehlenden Leitlinien ist eine sorgfältige Aufklärung und Dokumentation der Medikamentenumstellung notwendig.
  • Die Zeit ohne angemessene Antikoagulation sollte in Abhängigkeit des Eingriffsrisikos so kurz wie möglich gehalten werden
  • Wann eine Normalisierung der Blutgerinnung zu erwarten ist, hängt von der Pharmakologie der engesetzten Gerinnungshemmer ab; genauso wichtig scheinen Patientenbezogene Faktoren zu sein.
  • Die routinemäßige Durchführung von Thrombozytenfunktionstests präop. wird nicht empfohlen.
  • Bei bestimmten Erkrankungen ist die Indikation für eine Unterbrechung der Antikoagulation sehr kritisch zu stellen: hierzu zählen der Kunstklappenersatz (insbesondere bei Mitralklappenersatz), der bare metal stent (in den ersten 8 Wochen) und der drug eluting stent im ersten Jahr nach Implantation sowie der Apoplex in der Vorgeschichte bei Vorhofflimmern.
  • Ist eine sofortige Korrektur einer Antikoagulation notwendig, kommt bei Inhibitoren der humoralen Gerinnung in erster Linie PPSB (erst in 2. Linie FFP), bei Thrombozytenagregationshemmern Desmopressin (Minirin) und die Thrombozytensubstitution in Betracht (s. Kap. Antidote).
     

Literatur

  • 1. Ralf Eisele, Nima Melzer, Cornelia Englert, Peter Bramlage, Michael Spannagl. Bridging mit dem niedermolekularen Heparin Certoparin bei Patienten, bei denen eine vorübergehende Unterbrechung der oralen Antikoagulation erforderlich ist – die nicht-interventionelle, retrospektive REMEMBER-Studie. Thrombosis Research 2012. [PDF]

  • 2. Bauersachs, Rupert M.; Schellong, Sebastian; Haas, Sylvia; Gogarten, Wiebke; Riess, Hanno; Omran, Heyder. Überbrückung der oralen Antikoagulation bei interventionellen Eingriffen. Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1237 / B-1101 / C-1053 [PDF]

  • 3. Jack Hirsh, MD, FCCP, Chair, Gordon Guyatt, MD, FCCP, Gregory W. Albers, MD, Robert Harrington, MD, FCCP, and Holger J. Schünemann, MD, PhD. Executive Summary: American College of Chest Physicians Evidence-Based Clinical Practice Guidelines (8th Edition). Chest 2008;133;71S-109S [PDF]

  • 4. H.M. Hoffmeister, C. Bode, H. Darius, K. Huber, K. Rybak, S. Silber. Unterbrechung antithrombotischer Behandlung (Bridging) bei kardialen Erkrankungen. Kardiologe 2010; 4:365–374 [PDF]

 

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